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Mit Abstand und Worst Case-Szenario zur Kündigung

...und wie es nach dem „Moment der Erkenntnis“ weiterging.

 

Es kam natürlich, wie so häufig, dann doch erstmal anders. Ist der akute Krisenmoment überstanden und die schwierige Situation gemeistert, folgen erstmal Glückshormone und relativierende Vibes. „War doch gar nicht so schlimm, hab ich doch super gemeistert, Viele müssen durch deutlich krassere Situationen und schaffen es…“ könnten die Antworten auf die Fragen aus der Abstellkammer sein, die ich jetzt plötzlich hörte. Mein Nimm-dich-selbst-nicht-so-wichtig-Anteil übernahm die Kontrolle.



Logischerweise machte ich also erstmal so weiter. Trotzdem arbeitete es in mir. Jeden Donnerstag hatte ich einen wichtigen Jour fixe - beim Vorsitzenden der Geschäftsführung. Um 7 Uhr. In Düsseldorf, ich wohnte zu der Zeit in Essen. Da ich meist noch kurzfristig etwas vorbereiten musste, das sich während meines (du weißt schon) „Feierabends“ tags zuvor noch änderte, war ich also um halb sieben im Büro. Wann ich aufstand an diesen Donnerstagen, du ahnst es.

 

Bloß nicht schwach wirken!

An einem dieser besagten Termine kamen die Gefühle dann zurück. Komplett aus dem Zusammenhang gerissen und mitten im Gespräch musste ich anfangen zu weinen. Untröstlich. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören und stammelte nur: „Ich weiß auch nicht, was los ist…!“. Mein Vorgesetzter saß wie vom Donner gerührt vor mir und war hilflos. Was tun mit so eine „hysterischen Frau?“ dachte er bestimmt. Dachte ich. Auch typisch für mich, in solchen Momenten noch über die Vermeidung von Rollenklischees zu grübeln, aber das machte es sogar noch schlimmer. Es war einfach alles zu viel!

 

Freiheit - schmerzlich vermisst!

Ich fuhr also nach Hause bzw. von dort auf direktem Weg zum Arzt. Mein Arzt war glücklicherweise sehr verständnisvoll (er hatte selbst Kleinkinder daheim) und diagnostizierte ein Erschöpfungssyndrom, kurz vor Burn-Out. Er schrieb mich für längere Zeit krank. Als ich dann in den eigenen vier Wänden ankam, überfiel mich eine so starke Erleichterung und ein Freiheitsgefühl machte sich in mir breit, das mir zum ersten Mal zeigte, wie groß der Druck wirklich war.

 



Die Nordsee als Kraftort

Was half mir aus der Krise? In den folgenden Ferien fuhren wir auf eine extrem reizarme, dänische Nordsee-Insel (übrigens mein absoluter Kraftort in den vorigen stressigen Jahren) und machten viele, lange Spaziergänge. Und dann kam der Moment der Erkenntnis. Ich saß alleine auf einer Bank, starrte aufs Meer, hörte Lieblingsmusik und machte eine gedankliche Bestandsaufnahme. Ich fühlte bewusst in mich hinein und fragte mich: What’s the f*ing problem?? Als ich alle wichtigen Bereiche meines Lebens „durch“ hatte, war klar:

 

Der Job ist es.

 

Alles andere war gut! Es war auch nicht nur die Vereinbarkeit, sondern auch strukturelle Probleme im Job machten mir zu schaffen. Teils Bore-Out, teils nicht Gesehen-werden und mangelnde Wertschätzung für die Arbeit unseres Teams, an anderer Stelle einfach zu viel - ich musste da raus!

 

Worst-Case, Baby!

Mit meinem Mann, der mich glücklicherweise immer hundertprozentig unterstützte, machte ich ein Worst-Case-Szenario auf. Wir hatten gerade ein Haus gebaut, dessen Finanzierung auf zwei festen Gehältern basierte. Es bestand also die (nicht unwahrscheinliche) Gefahr, dass wir uns das Haus ohne mein festes Gehalt nicht mehr würden leisten können.

 

Ok. Für Manche der Horror, für uns nicht so schlimm.

 

Denn wir waren sicher, notfalls auch wieder in eine kleinere Wohnung umziehen zu können und damit zufrieden zu sein. Es stand sich also konkret gegenüber: „Unglücklich und krank im eigenen Haus oder glücklich und gesund in einer kleinen Wohnung (schlimmstenfalls)“, da war für uns die Entscheidung klar: So viel ich auch in den letzten Jahren im Konzern lernen durfte und so weit mich der Job auch gebracht hatte - ich wollte und musste mich jetzt verändern!

 

Außerdem hatte ich zu der Zeit noch ein Gespräch mit einer guten Freundin, selber erfolgreiche Geschäftsfrau mit eigener Firma und sehr klar in ihren Ansichten. Als ich eines Abends bei ihr auf dem Sofa saß, sah sie mir tief in die Augen und sagte zwei folgenschwere Sätze, die ich schon vorher fühlte, aber irgendwie nicht wahrhaben wollte:

 

„Du kannst einfach nicht alles haben! Triff deine Entscheidung und dann zieh sie durch!“

 

Und ja, so ist es! Leider!! Aber wir alle müssen uns immer wieder entscheiden. Für und wider Dinge, die uns wichtig sind. Für unsere Kapazitäten. Für eine schlaue Nutzung unserer Energie. Für uns. All das weiß ich jetzt, damals war es nur ein Bauchgefühl.


Aber in dem Moment war es tatsächlich der letzte Tropfen im Fass, der mich kurz danach ins Büro der Geschäftsführung führte und der mich - zur großen Verwunderung Aller, denn in diesem Unternehmen kündigte man einfach nicht - kündigen ließ. Best decision!!!

 

Wie es dann weiterging und wie meine Werte und meine Neurodivergenz im Zusammenhang mit der Kündigung standen, folgt im nächsten Artikel – ich freue mich, wenn du weiterliest.

 

Du bist an einem ähnlichen Punkt? Vielleicht ist es für dich nicht die Kündigung, sondern eine andere Stellschraube, z.B. deine Werte, die nicht mehr im Einklang mit deinem Umfeld sind. Melde dich gerne für ein kostenloses Erstgespräch und wir schauen gemeinsam, wie ich dir helfen kann und ob es mit uns passt.

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